Wie alles begann…
Wenn ich etwas mache, dann bin ich immer mit ganzem Herzen bei der Sache, und wenn die Leidenschaft in mir entfacht ist, dann gib es kein Zurück mehr. In der sportlichen Phase meines Lebens, die nun schon ein paar Jahre zurückliegt, war es auch beim Triathlon so. 2011 finishte ich elf Triathlon-Langdistanzen (Ironman) in nicht einmal fünf Monaten. Dies hatten zuvor viele Menschen für unmöglich gehalten. Heute habe ich meine Triathlonsachen an den Nagel gehängt und eine neue Leidenschaft für mich entdeckt: das Reisen und den Rum.

Das erste Mal, dass ich mit Rum in Kontakt kam, war im Jahr 2013, als ich zwischen zwei Terminen Zeit hatte und in Göttingen bummeln war. Es war ein einen Plantation XO 20th Anniversary in der alten Version mit der bauchigen Flasche. Geöffnet habe ich die Flasche aber erst im Jahr 2015 und war begeistert. Die Flasche war schnell leer getrunken, und ich wollte daraufhin eine neue kaufen. Ich musste etwas suchen, da sich das Flaschendesign geändert hatte. Da ich lieber im stationären Handel kaufe, ging ich zu einem Händler in unserer Region. Dieser verlangte beinahe das Doppelte für die Flasche als im Internet. Das verärgerte mich sehr, und ich beschloss, die Flasche doch im Internet zu kaufen. Meine „schwäbischen Gene“ sorgten dafür, dass ich noch eine weitere Flasche dazu bestellte, damit der Versand kostenlos war. Ich beschäftigte mich etwas mit den Rums und entschied mich für eine Flasche Bristol Caroni 1996. Diese öffnete ich dann wieder erst ein Jahr später, als mein Schwager Bert, ein Whiskysammler, mich aufforderte: „Steffen mach mal was Gutes auf.“ Da der Caroni-Rum die einzige Flasche war, die nicht offen war, öffnete ich diese. Mein Schwager war sofort begeistert und rief aus: „Ein Hammer-Stoff – was kostet denn so ein Rum“? Ich sagte zu ihm, ich hätte so um die 60,00 Euro bezahlt, aber er solle kurz warten, ich würde es googeln. Zu meinem Erstaunen kostete die Flasche weit über 100,00 Euro. Ich fragte mich, warum die auf einmal so teuer war, und begann zu recherchieren. Im Netz gab es viele widersprüchliche Aussagen. Trotzdem erkannte ich das Potenzial und legte mir einige Flaschen zu. Im Jahr 2017 habe ich weitere Flaschen bei Jens Gehlert von Limited-Whisky.de bestellt und sie persönlich bei ihm abgeholt. Wir unterhielten uns über Caroni-Rum, und ich sagte zu ihm: „Ich glaube, ich schreibe ein Buch darüber, denn im Netz stehen so viele Sachen, die gar nicht stimmen“. Jens war früher Verleger und bekräftigte meine Idee sehr.

Ich dachte, dass so ein Buch schnell geschrieben ist. Meine erste Idee war eine Art Sammlerbuch mit allen Abfüllungen von Caroni. Hierbei sollte die Geschichte der Destillerie eine untergeordnete Rolle spielen. Doch bald wurde mir klar, dass die Erwartungen an solches ein Buch weitaus höher waren. Mein Glück war, dass ich im Laufe der Zeit immer mehr Caroni-Nerds kennenlernen durfte (die Bezeichnung „Nerd“ ist auf gar keinen Fall negativ zu verstehen, im Gegenteil, es sind Personen, die sich wirklich bis ins kleinste Detail mit der Materie auseinandersetzen und sich selber als solche bezeichnen), die Feuer und Flamme von meinem Projekt waren und mir mit Rat und Tat zur Seite standen. Ich begann, mich mit alter Literatur von Rum/Rhum auseinanderzusetzen und Experten zu interviewen. Meine Schwägerin Julia, die Grafik-Designerin ist, erstellte mir das erste Layout für das Buch. Bruno, ein befreundeter Caroni-Rum-Sammler aus Belgien, ermöglichte es mir, fast jede Abfüllung zu fotografieren. Am schwierigsten war es, die Geschichte von Caroni aufzuarbeiten und ehemalige Mitarbeiter zu finden. Die Bereitschaft der Beteiligten, Interviews zu führen war sehr zögerlich und verlangte mir viel Geduld und Beharrlichkeit ab. Von Flo, einem befreundeten Blogger, mit dem ich mich regelmäßig über meine neuen Erkenntnisse austauschte, bekam ich immer wieder zu hören: „Dieses Buch wird der neue Maßstab in Sachen Rumliteratur sein“. Das erzeugte enormen Druck in mir und veranlasste mich, immer tiefer in die Materie des Rums einzusteigen.

Die weltweite Pandemie mit Covid-19, die 2020 begann, war für das Buch Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite wurde meine für April gebuchte Reise nach Trinidad storniert, Reisen wurde schwieriger und man war isoliert. Auf der anderen Seite ging es aber allen anderen genauso, und die Interviews mit mir waren auf einmal eine willkommene Abwechslung im tristen Alltag.

Mit meiner Frau Britt und unserem Hund Rocky reiste ich ab Juni 2021 durch ganz Europa, um so viele unabhängige Rum Abfüller wie nur möglich zu interviewen. Es war eine unglaubliche Zeit, in der wir vieles erleben und erfahren durften. Im Frühjahr 2022 habe ich das Buch „Caroni – 100% Trinidad Rum“ veröffentlicht. Es war ein großer Erfolg!

Nach der Veröffentlichung meines Buches brauchte ich eine neue Aufgabe und besann mich auf das was uns in den letzten Jahren die meiste Freude gemacht hat – das Reisen. Der Mercedes Marco Polo war zu zweit mit Hund sehr klein und Deutschland veränderte sich während der Corona-Zeit sehr. Wir konnten uns mit der aktuellen Politik nicht mehr anfreunden und wollten mehr Mobilität. Wir schauten viele Youtube-Videos über das Reisen und Auswandern. Schlussendlich stand der Entschluss fest – wir bauen ein Expeditionsmobil.

Wir nahmen uns viel Zeit zur Planung eines solchen Fahrzeugs und Kontaktierten im Februar 2023 4wheel24, den führenden Spezialisten für Fahrzeuge dieser Art. Nach unzähligen Verhandlungen und weiteren Planungen gaben wir im Mai 2023 den Auftrag für eine leere Wohnkabine, ein Möbelbaupaket zum selber einbauen und den Fahrzeugbau. Im Oktober 2023 kaufte ich ein altes Feuerwehrauto, einen Mercedes SK 1831. Die Kabine mit den vorgefertigten Möbeln konnte ich zwischen Weihnachten und Silvester 2023 abholen.

Die Umbauphase begann im Januar 2024 in Oberstaufen. Ich benötigte für den Kabinenausbau in Vollzeit knappe 7 Monate und begann im Juli 2024 mit dem Rückbau der alten Feuerwehr. Der erste Rückschlag kam 04. September als der Rückbau abgeschlossen war und ich zur Fahrzeugreinigung nach Immenstadt im Allgäu gefahren bin. Kurz vor der Unterführung betätigte ich den Retarter und der Gang flog aus dem ZF-Automatikgetriebe. Mercedes war Gott sei Dank um die Ecke, sie schleppten mich mit ihrem Mercedes Vito ab. Sie bekamen das Fahrzeug jedoch nicht zum Laufe, so dass ich ZF Friedrichshafen um Hilfe bat. Der Werkstattleiter kam persönlich, konnte das Problem jedoch vor Ort ebenfalls nicht lösen. Er bot mir an das Fahrzeug abends mitzunehmen und ein Auszubildendenprojekt daraus zu machen. Ich war darüber sehr Dankbar, da es die Kosten im Rahmen halten sollte. Mitte November war das Fahrzeug repariert. Das Problem war ein defektes Überdruckventil, das einen Fehlstrom auf die Automatiksteuerung gegeben und diese gepurzelt hat.

Im Januar sollte es dann bei 4wheel24 losgehen, es kam aber zu einer Vielzahl von Verzögerungen. Schlussendlich ging es dann im April los, aber auch gleich wieder mit einem Rückschlag. Im Hauptrahmen, der verlängert werden sollte, lag ein weiterer Rahmen und die beiden waren auch noch aus Panzerstahl. Dies sorgte für weitere Verzögerungen und führte dazu, dass wir ab Juli auf dem Fabrikgelände wohnten, in unserer Wohnkabine, die bereits fertig war. Das Ganze hatte den Vorteil, dass ich alle Kinderkrankheiten aus der Wohnkabine eliminieren konnte und den Fortschritt am Fahrzeug live verfolgen konnte.Im Oktober 2025 konnte unsere Reise endlich beginnen.



Steffen begeistert mit seiner Leidenschaft für kulinarische Abenteuer und teilt einzigartige Geschmackserlebnisse.

Steffen
Buch-Autor und Gourmet
